Samsung Techwin Produktmanager im Interview

Technologie

Videor VIEW 3-12:  Interview mit Samsung Produktmanager Tim Buddulph

Samsung hat seinen Ruf am Markt vor allem durch den starken Technologiefokus erarbeitet. Zahlreiche Entwicklungen und Patente dokumentieren den Stellenwert von Forschung und Entwicklung innerhalb des koreanischen Unternehmens. Produktmanager Tim Biddulph schlägt in unserem Interview die Brücke zwischen Technologie und Nutzen für den Anwender.

VIEW: Herr Biddulph, Samsung hat in der letzten Zeit das Portfolio an Netzwerkprodukten wesentlich erweitert. Sieht das Unternehmen in diesem Bereich seine Zukunft?
Tim Biddulph: Auf jeden Fall. Unabhängige Marktforschungsunternehmen haben Samsung als eines der drei führenden CCTV-Unternehmen in Europa bestätigt. Obwohl bis vor kurzem unsere Stärke hauptsächlich im Bereich der analogen Technik lag, bieten wir heute auch ein umfassendes Programm an IP- und Netzwerkprodukten.

VIEW: Stellen Sie eine erhöhte Nachfrage nach IP-/netzwerkbasierten Sicherheitssystemen fest?
Tim Biddulph: Bis vor kurzem wurde  IP-Videotechnik überwiegend als Lösung für große Sicherheitsprojekte  wahrgenommen. Heute sehen wir diese  Technologie jedoch immer häufiger in kleinen bis mittleren  Anlagen. Das ist vielleicht gar nicht so überraschend.  Eine streng gewinnorientierte Wirtschaft lässt Kunden  nach dem größtmöglichen Nutzen ihrer Investitionen suchen.  So kann ein IP-basiertes Videoüberwachungssystem  für Errichter und Systemintegratoren eine ausgezeichnete  Möglichkeit sein, neue Geschäfte zu generieren,  da es ihren Kunden im Vergleich zu analogen Systemen wesentliche Kosten- und Funktionsvorteile bietet.

VIEW: Wie hat sich die Sicherheitsbranche aus Sicht von Samsung in den letzten Jahren entwickelt?
Tim Biddulph: Schon lange steht der Begriff Closed Circuit Television (CCTV) für die Sicherheitsbranche, tatsächlich aber ist die CCTV-Industrie über viele Jahre alles andere als ein „geschlossener Kreis“ gewesen. Analoge Systeme, die zur Übertragung Koax oder Zweidraht verwenden, bieten schon lange die Möglichkeit der Steuerung über Netzwerke. Jedoch nimmt der Trend, eine Überwachungskamera direkt an das Netzwerk anzuschließen, weiterhin Fahrt auf. So leisten IP- und Netzwerk- Überwachungsprodukte heute den weitaus größten Beitrag zum Wachstum des realen Sicherheitsmarktes, da neue Anlagen alle Vorteile nutzen, die der Betrieb über Netzwerk mit sich bringt.

VIEW: Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Tim Biddulph: IP-basierte Überwachungssysteme ermöglichen den Anwendern, den größtmöglichen Nutzen aus der neuesten Generationhochauflösender Kameras zu ziehen. Diese bieten so viel mehr als konventionelle CCTV-Kameras mit ihrer typischen Bildauflösung von nur 0,4 Megapixeln. So kann z. B. – abhängig vom Sichtfeld – eine 1,3 Megapixel-Kamera die Aufgabe mehrerer Analogkameras übernehmen, da sie einen größeren Bereich abdeckt und entfernte Objekte, die unverpixelt im Bild erscheinen sollen, sehr nah heranzoomen kann.

VIEW: Können die verschiedenen Auflösungen und Standards für Endkunden nicht sehr verwirrend sein?
Tim Biddulph: Möglicherweise muss der Unterschied zwischen den verschiedenen Arten hochauflösender Kameras genauer erläutert werden. Eine Megapixel- Kamera ist einfach eine Kamera, die ein Bild mit einer Auflösung von einer Million Pixel oder mehr aufnehmen kann. 1,3 Megapixel-Kameras gehören zu den gängigsten am Markt, der Zahlenwert entspricht einer Auflösung von 1280 x 1024 Pixeln. Doch auch, wenn eine Kamera Bilder mit einer Million Pixel aufnehmen kann, so darf sie nicht als True HD-Kamera bezeichnet werden, es sei denn, sie entspricht dem weithin akzeptierten HD-Standard. Dieser setzt voraus, dass die Kamera Auflösungen von 1920 x 1080 oder 1280 x 720 liefern kann. Anders als Standard CCTV-Kameras, nimmt eine HD-Kamera Bilder im 16:9-Format (Widescreen) auf und muss Bilder in Echtzeit bei 25 Bildern/Sekunde ausgeben können. Das 16:9 Bildformat eröffnet den Anwendern ein im Vergleich zum herkömmlichen 4:3-Format wesentlich breiteres Sichtfeld. Zusammenfassend: alle HD-Kameras sind Megapixel-Kameras, aber nicht alle Megapixel-Kameras können als HD-Kamera bezeichnet werden.

VIEW: Ist HD Auflösung bei Sicherheitssystemen aus Ihrer Sicht immer zu bevorzugen?Tim Biddulph: Selbstverständlich werden nicht immer überall die höchsten Auflösungen benötigt, und es kommt immer darauf an, die genauen Anforderungen zu kennen, um dann die genau hierauf abgestimmten Kameras festzulegen. Ein Überwachungssystem wird dort, wo es erforderlich ist, fast immer HD Megapixel-Kameras verwenden, kombiniert mit Kameras in Standardauflösung für allgemeine Übersichtsdarstellungen. Obwohl Megapixel-Kameras sehr detailgenaue Bilder liefern, können diese auch gleichzeitig in niedrigeren Auflösungen – einschließlich QVGA (320×240), VGA (640×480) und SVGA
(800×600) – übertragen. Dank unterschiedlicher Kompressionsverfahren  können autorisierte Nutzer gleichzeitig an einem Ort Livebilder überwachen, an einem anderen Ort Videobeweise aufzeichnen und sich Livebilder bzw. Aufzeichnungen auf dem Smartphone ansehen. Gleichzeitig können JPEG-Bilder eines Ereignisses einer E-Mail-Alarmbenachrichtigung beigefügt werden. Und es besteht die Möglichkeit, Vor- und Nachalarmbilder auf der SD-Karte der Kamera zu speichern.

VIEW: Samsung setzt offensichtlich stark auf Progressive Scan-Technologie. Würden Sie uns bitte die Vorteile erläutern?
Tim Biddulph: Beim Einsatz von PTZ-Domes kann es bei Kamerabewegung zu Unschärfen oder dem so genannten „Motion Blur-Effekt“ kommen. Im Falle von Flughäfen oder anderen sicherheitskritischen Applikationen schmälert ein solches System das Vertrauen in das Videoüberwachungssystem, von dem eigentlich Bilder in Identifizierungs-qualität erwartet werden. Parkplätze, Industrieanlagen und Einkaufszentren mögen nicht als Hochsicherheitsbereiche angesehen werden, sind aber Umgebungen, in denen PTZ-Kameras üblicherweise installiert werden. Dort können unscharfe Bilder die Möglichkeit des Sicherheitspersonals, im Ereignis- oder Notfall schnelle und effektive Entscheidungen zu treffen, erheblich beeinträchtigen. Hier setzt die Progressive Scan Technologie an. Sie liefert hochwertige Videoaufzeichnungen mit mehr Kantenschärfe. Diese Optimierung ist auf angehaltenen Bildern am besten erkennbar und sorgt für ausgezeichnete Standbilder von z. B. Nummernschildern ohne die geringste Unschärfe. Samsung hat die Progressive Scan-Technologie in eine neue Netzwerk- Speed-Dome-Kameraserie integriert. Zusätzlich zum Progressive Scan wird die hervorragende Qualität der Aufnahmen bei Kamerabewegung noch unterstützt durch die „True Day/Night“-Funktion und einen erstklassigen 600 TVL CCD-Sensor mit ausgezeichneten Ergebnissen bei schwachen Lichtverhältnissen. Die Kameras sind darüber hinaus mit Wide Dynamic Range (WDR)-Technologie ausgerüstet, die Gegenlichtprobleme 160-mal effektiver ausgleicht als die Standard Gegenlichtkompensation (BLC).

Die zunehmende Bedeutung von HDTV im Privat-bereich wird sich auch in der Überwachungs-technik fortsetzen.

VIEW: Welche Rolle spielt Videoanalyse in den Systemen von Samsung?
Tim Biddulph: Das ist tatsächlich ein weiterer  wesentlicher Vorteil der meisten HD Megapixel-Kameras.  Samsungs Intelligent Video Analytics (IVA) beinhaltet einen optischen Bewegungsmelder mit Erkennung der  Bewegungsrichtung (Kommen/Gehen) sowie eine „Erscheinen/  Verschwinden“-Funktion zur Erkennung der  Bewegung von Objekten. Außerdem bietet IVA einen  Schutz bei Kameramanipulation, die einen Alarm auslöst,  wenn zum Beispiel Farbe auf die Kameralinse  gesprüht oder eine unautorisierte Veränderung des eingestellten  Überwachungsbereichs der Kamera vorgenommen wird.

VIEW: Wie sieht die Zukunft der Videoüberwachungstechnologie aus?
Tim Biddulph: Wenn wir den Privatbereich  betrachten, dann sieht man die zunehmende Bedeutung  von HDTV. Praktisch jedes angebotene Fernsehgerät verfügt  über HD-Qualität. Dieser Trend wird sich auch in der  Überwachungstechnik fortsetzen. Die Durchschnittsverkaufspreise  für HD Megapixel-Kameras sind allein im Vergleich  zum letzten Jahr deutlich gesunken, so dass durch  den wettbewerbsfähigeren Markt mehr Bereiche von der  höheren Bildqualität profitieren können. Samsung hat  kürzlich 4- und 16-Kanal-Netzwerkrekorder eingeführt,  die Aufzeichnungen in HD-Qualität bieten und eine kostengünstige  Lösung für kleinere IP-basierte Systeme bieten.  Und der Trend wird weiter zu Anwendungen mit noch geringerem Umfang gehen.

VIEW: Aber der Budget-Druck ist speziell bei kleinen Systemen besonders hoch.         Tim Biddulph: Um die Investitionen in einer  angespannten Wirtschaftslage zu rechtfertigen, ist es wichtig, neben den reinen Überwachungsaufgaben Synergien  zu schaffen mit den Anforderungen anderer Unternehmensbereiche.  Auch IT, Personal und Marketing haben  möglicherweise Interesse an hochwertigem Videomaterial und würden sich an den Kosten des Systems  beteiligen. Dies wird dann zu Systemlösungen führen,  in denen Kameras und Aufzeichnungsgeräte mit einer Reihe anderer Systeme interagieren, wie zum Beispiel Zugangskontrolle, automatische Nummernschilderkennung, Kassenüberwachung, Einbruchsicherung, Brandschutz, Alarmtechnik und Gebäude-management-Systeme. Glücklicherweise konnte die Überwachungstechnologie  mit den wechselnden Anforderungen der  Endanwender Schritt halten. Dies wurde durch die hochauflösenden  Kameras der letzten Generation maßgeblich  unterstützt. Bilder in erstklassiger Qualität können für so vieles mehr verwendet werden als nur für Überwachungszwecke.

VIEW: Herr Biddulph, vielen Dank für das Gespräch.

Tim Biddulph ist Produktmanager bei Samsung Techwin und für die IP Hard- und Software zuständig. Dazu gehören neben dem Managing der Produktlaunches auch die Unterstützung des Support- und Sales-Teams mit Tools und Dokumentationen. Zuvor war Tim Biddulph bei Dedicated Micros als technischer Projektmanager beschäftigt.

 

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ViSiTec Video-Sicherheit-Technik GmbH

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